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Michael Carl, carl institute for human future

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Gesund, bislang – wobei ich fest davon ausgehe, in diesem Jahr noch die Wege eines Virus zu kreuzen. Arbeit, so viel wie noch nie. Für einen Zukunftsforscher sind dies extrem spannende Tage. Das, was wir gerade Krise nennen, ist auch ein Reallabor für Zukunft, wie wir es als Gesellschaft wahrscheinlich noch nicht erlebt haben. Wir erdenken und entwickeln an zahllosen Enden dieser Tage neue Lösungen für Arbeit, Alltag und Kommunikation. Die Arbeit zuhause in vielen Branchen. Videokonferenzen statt Dienstreisen. Persönlicher Austausch über Distanz. Manches hakt, anderes ist eine Zumutung, wieder anderes wird sich so schnell in unserer Kultur etablieren, dass wir nicht wieder zu dem alten Zustand zurückkehren wollen.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Mit Ausbruch der Krise ging es mir nicht viel anders als vielen Selbständigen. Es ist erstaunlich, wie schnell Umsätze einbrechen können. Seither haben wir uns kräftig geschüttelt und gründlich hinterfragt, was wir tun, wie wir arbeiten und wovon wir leben wollen – und vieles grundlegend verändert. Mir tut das gut: Die Ärmel hochzukrempeln und Neues zu schaffen. Unser Schlüssel dafür war ganz schlicht: Wir haben unseren Partnern und Kunden zugehört. Das hat uns Inspiration gegeben, das war die Quelle unserer Aktivität. Ich glaube: Wer es schafft, selbst aktiv zu bleiben, hat gute Chancen, diese Wochen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Ich habe es mir dieser Tage zur Angewohnheit gemacht, jeden Tag auf zwei Menschen zuzugehen und sie zu fragen, wie es Ihnen geht. Einfach so, berufliche oder private Kontakte, ganz wie mir Menschen einfallen. Daraus sind eine ganze Reihe sehr offener Gespräche geworden, eine Art persönliches Netz gegenseitigen Interesses. Davon wünsche ich mir mehr. Das wäre mal eine Reproduktionsrate, die sich zu steigern lohnt.

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Heidrun Strauß

Heidrun Strauß – Beamtin

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir ?

„In der Krise beweist sich der Charakter.“ Dieses Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt fällt mir seit Beginn der Corona-Krise täglich mehrmals ein und bezeichnet genau die Menschen in meinem Arbeits,- Familien- und Freundeskreis.
Menschen, von denen ich bisher eine hohe Meinung hatte, „entpuppen“ sich teilweise als Zögerer, Verkomplizierer, Nichtstuer, Ständig-in-Frage-Steller, Panikmacher, Selbstdarsteller. Andere wiederum, von denen ich bisher eine weniger positive Meinung hatte, werden plötzlich zu wahren Freunden, Anpackern, Pragmatikern, Krisenmanagern. Ich erkenne ganz kluge Köpfe mit innovativen durchsetzbaren Ideen. Und ich bin ein bisschen beschämt über mich, warum ich das nicht schon viel eher erkannt habe. Auch für die eigene Selbsterkenntnis ist diese Krise gut, und darin sehe ich das Positive für mich, bei aller negativen Auswirkung.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern ?

„Die Situation meistern“ steht für mich gerade im Mittelpunkt. Ich habe eine 86-jährige Mutti, die erstaunlich gelassen mit der ganzen Situation umgeht. Trotzdem braucht sie meine Nähe, die ich ihr gerade jetzt in der gewohnten Art und Weise nicht geben kann. Wir telefonieren sehr viel und ich erledige das Nötigste für sie, trotzdem tut es mir sehr weh, dass ich mich nicht wie gewohnt um sie kümmern kann, und ich weiß, dass sie trotz aller Gelassenheit unter der Krise leidet. Mir ist sehr bewusst, dass sehr viele Menschen gerade in derselben Situation sind wie ich und das gibt mir ein Gefühl der Verbundenheit und macht mich stark.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Ich benötige keine Unterstützung; meine Familie ist gesund und finanziell abgesichert. Ich werde am 01.11.2020 in den, wie es in schönstem Beamtendeutsch heißt, vorgezogenen Ruhestand gehen. Bis dahin liegt ein, so glaube ich, sehr steiniger, aber nicht unüberwindbarer Weg vor uns allen. Ich hoffe, dass ich meinen Ruhestand genießen kann. Ich möchte mit meinem Mann zusammen (auch nach 42 Ehejahren) noch viel Schönes erleben, mich um unsere Tochter kümmern und „diverse“ Aufgaben von ihr übernehmen und noch viel Zeit mit meiner Mutti verbringen. Von meinen Mitmenschen und Kollegen wünsche ich mir mehr Rücksicht, Verständnis und Stärke, damit wir die Krise schnellstmöglich überwinden. Eins wird klar sein, es wird nie mehr so, wie es bisher war!!!

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Christopher Zenker

Christopher Zenker – Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Leipzig-Süd, Stadtrat für die SPD, Vorsitzender der Leipziger SPD-Stadtratsfraktion

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Ich bin aktuell im Homeoffice, versuche meinen Job zu erledigen und gleichzeitig meinen Kindern einen strukturierten Tagesablauf mit Vermitteln von Schulstoff, Sport und natürlich auch Zeit fürs Kindsein zu geben. Gleichzeitig mache ich mir Gedanken um diejenigen, die von der aktuellen Krise am meisten betroffen sind. Sei es emotional, wirtschaftlich oder beides. Ich überlege, wie Politik hier vor Ort helfen und wie ich ganz persönlich helfen kann. Persönlich versuche ich, durch Essens- oder Eisbestellungen die Läden zu unterstützen, in denen ich vor deren Schließung auch gerne war. Ich spende ebenso Geld, sei es an meinen Sportverein oder die Clubkultur. Ich weiß, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber vielleicht finde ich Nachahmer und aus dem Tropfen wird zumindest ein kleiner Bach. Außerdem habe ich mich einer Initiative angeschlossen, die Masken für soziale Einrichtungen, wie Rettungsdienste oder Senioren- und Flüchtlingsunterkünfte näht, angeschlossen. Da ich nur schlecht nähen kann und jede Maske bei mir dadurch Stunden dauert, helfe ich bei dem, was ich besser kann: Ich besorge Material, damit die, die nähen können, ausreichend Material für Masken haben.

Grundsätzlich habe ich aktuell das Gefühl, dass Menschen solidarischer miteinander umgehen und sich hilfsbereiter zeigen. Das ist ein gutes Gefühl bzw. schön das wahrzunehmen, ich hoffe die Menschen vergessen das nach der Krise nicht.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Ich versuche vor allem die Möglichkeiten zu nutzen, die die Erlasse noch geben. Hierzu gehört vor allem Sport und Bewegung an der frischen Luft. Durch den Wegfall vieler Abendtermine merke ich, dass ich dafür Zeit habe und ich merke, dass mir das gut tut. Manchmal kostet es Überwindung, aber letztendlich ist es super.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Mir persönlich geht es gut. Was ich mir wünsche, ist, dass die Menschen respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen. Das beginnt beim Benehmen, sei es persönlich oder digital und endet nicht beim Einkauf. So führt das Hamstern und Horten von Nudeln, Konserven oder Toilettenpapier unter Umständen dazu, dass Menschen, die dann wirklich dringend etwas benötigen, nichts mehr vorfinden. Grundsätzlich glaube ich, wenn wir freundlich miteinander umgehen, sind wir auch selber glücklicher.

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Jörg Faßbender

Jörg Faßbender – Edition Kwimbi & Kwimbi Webcomic Shop

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir? und Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Wir sind seit fünf Wochen im Home Office, und es war anfangs schwierig für mich, die positive Perspektive zu bewahren. Es ist hart, ohne Freunde und Familie zu treffen. Meine Arbeit geht aber weiter, Übersetzungen und auch der Verkauf bei Kwimbi, der sogar zugenommen hat. Es erwächst viel Positives aus der Krisensituation.

Ich bekomme viel Rücksichtnahme und Unterstützung mit, Freunde sind für uns da und wir für sie. Ich wünsche mir, dass man dieses Gefühl und das Miteinander in die Zeit nach dem Lockdown mitnimmt.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Sich einen Tagesplan erstellen. Telefonieren, zwischendrin mal raus aufs Fahrrad, Sport in der Bude, viel Musik. All das hilft mir.

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Alexandra Wilmsmann-Hiller und Thomas Hiller

Alexandra Wilmsmann-Hiller und Thomas Hiller – lebendigMACHER

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Privat: turbulent, wie bei jedem von uns. Ein Auf und Ab, kein Tag gleicht dem anderen. Aber die Zeit hat eine besondere Qualität bekommen.
Beruflich, in unserer lebendigMACHER Praxis: Wir haben alle unsere Sitzungen auf Remote umgestellt und begleiten unsere Klientinnen und Klienten durch diese schwierige Zeit per Zoom, Skype, WhatsApp Video, klassisch per Telefon und E-Mail. Für die Familien haben wir Eltern-Kind-Yoga-Klassen per Zoom eingeführt. Das alles hilft die Verbindung zwischen Körper-Seele-Geist in Balance zu halten. Wir nutzen die Zeit und investieren Energie & Zeit in die Psychoedukation, unser Herzensthema, und nehmen viele Podcast, Experten-Talks und YouTube-Videos auf, in denen wir über Trauma, Burnout und Depressionen, überhaupt über psychische Störungen sprechen, aber auch die Wege der Selbstwirksamkeit, Potentialentwicklung und (Selbst-)Heilung aufzeigen. Die Menschen inspirieren.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Erdet Euch, verbindet Euch mit Eurem Körper und mit dem Atem und mit allem, was heil ist. Schaut Euch um, es ist eine Menge i. O. Schaut hin. Vielleicht führt Ihr ein Mini-Dankbarkeitsritual ein: Jeder sagt beim Abendessen drei Dinge, für die er/sie heute dankbar ist. Das trainiert den Dankbarkeitsmuskel.
Gleichzeitig ist es wichtiger denn je, die eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren. Denn die Ausgangsbeschränkungen, Home Office und Home Schooling brachten uns über Nacht in eine noch nie dagewesene Enge. Das zu meistern, braucht Selbstreflexion und Kommunikation und eine gehörige Portion Mut, um zu sagen, was einen bedrängt und verletzt. Aggression herauszulassen, ist enorm wichtig und hier gesund, ABER bitte nicht auf die Kinder, Ehepartner, Haustiere und die andere Mitmenschen, wie die Verkäuferin im Supermarkt oder der Mitarbeiter an der Hotline. Geht bitte dafür in den Wald und macht die simple, aber hocheffektive Biodynamische/Yoga-Übung den „Holzhacker“. Atmet laut und lösend oder hackt wirklich Holz oder arbeitet im Garten oder geht Joggen, macht Yoga. Auch sehr effektiv ist das bewusste & achtsame Kochen, Backen und Essen, Arbeit mit erdenden Elemente wie Teig und Ton, aber auch Holzarbeit. Schreiben und Malen kann therapeutisch auch sehr wertvoll sein (Hinweis: Schreiben ist bei Depressionen kontra indikativ). Widmet Euch Dingen, die Ihr schon immer mal ausprobieren wolltet. Und wenn Themen auftauchen, die Euch belasten und Ihr damit weder Familie noch Freunde betrauen wollt und könnt, sucht Euch einen Coach oder Therapeut. Die Zeit ist nicht zum Aushalten, sondern zum Hinsehen da.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Unser lebendigMACHER Herzenswunsch ist, beizutragen die häusliche/innerfamiliäre Gewalt, wie auch immer sie geartet ist (psychisch oder physisch), zu minimieren. In der Zeit von Ausgangsbeschränkungen ist die Gefahr, den Tätern zuhause schutzlos ausgeliefert zu sein um ein Hundertfaches höher als sonst. Die traumatischen Erfahrungen, die in dieser Zeit gemacht werden, produzieren die Patienten mit psychischen Störungen im Leben der Opfer und in den nächsten Generationen. Das muss nicht sein. Die soziale Kontrolle fällt weg. Doch oftmals ist das genau das Problem. Der Bereich, in dem sonst häusliche Gewalt insbesondere gegen Kinder auffällt, genauer in Schulen, Kitas oder bei Tagesmüttern, ist gerade weggefallen. Bei eingeschränkter Öffentlichkeit werden Verletzungen jetzt weniger bemerkt. Wenn Euch etwas auffällt oder Ihr betroffen seid, meldet Euch, macht darauf aufmerksam. Polizei, Jugendamt und Hilfetelefone wissen Rat. Meldungen können auch von Dritten anonym abgegeben werden. Lasst uns achtsam miteinander sein. Liebe ist stärker.

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Dirk Eisold

Dirk Eisold – Zoo Leipzig, Teamleiter Eventmanagement

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Mir und meiner Familie geht es persönlich sehr gut. Wir versuchen, die aktuelle Situation entspannt zu sehen und lassen uns nicht verrückt machen von teilweise überzogenen Horrornachrichten aus den Medien. Sicherlich sind wir sensibilisiert, beachten die allgemeinen Regeln und schauen mehr auf unsere persönlichen Hygienemaßnahmen. Neben dem Job – aktuell häufiger am heimischen Schreibtisch – verbringe ich mehr gemeinsame Zeit mit meiner Familie. Allerdings fehlen mir schon Treffen mit Freunden und Verwandten. Das können Internet, Telefon und all die Social Media Kanäle nicht kompensieren.
Ich persönlich empfinde diesen Lockdown relativ entspannt: Endlich mal kein Hetzen von Termin zu Termin, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Mehr Zeit, um über neue Konzepte nachzudenken. Natürlich macht man sich auch Sorgen um die Zukunft: Was wird beruflich, wenn dieser Zustand noch viel länger andauert, als angenommen? Gehen wir uns zu Hause nicht doch bald auf die Nerven? Zum Glück überwiegen die positiven Gedanken – und Fakt ist: Es wird auch ein Leben nach Corona geben.
Beruflich ist es komplizierter. Der normale Zoo-Alltag und die Betreuung und Pflege der Tiere gehen natürlich weiter. In der Verwaltung, im Besucherservice und bei mir im Eventmanagement gibt es Notbesetzung, ansonsten sind alle im Home-Office oder bauen Überstunden ab. Doch es ist schon ganz schön unheimlich, wenn ich momentan im Zoo unterwegs bin und alles so ruhig und leer erlebe. Normalerweise boomt es hier mit Frühlingsbeginn. Eine längerfristige Schließung wäre auch für den Zoo, der zu großen Teilen aus seinen Einnahmen lebt, verheerend.
Das Eventmanagement ist – wie bei allen Kultureinrichtungen, Veranstaltern und Künstlern – im Zoo komplett auf Null gefahren. Ich versuche, mit allen meinen Partnern (Künstler, Gastronomen, Freiberufler, Eventtechniker etc.) solidarisch zu sein und spreche ihnen Mut zu. Leider kann ich derzeit nur versprechen, auch nach den Krise möglichst vielen Veranstaltungen und Events mit unseren langjährigen Partnern und Dienstleistern zu organisieren. Nur gemeinsam kommen wir da wieder heraus.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Zuerst einmal: Keine Panik auf der Titanic. Die Sache ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Auch wenn man nicht immer konform mit allen Corona-Regeln bzw. -maßnahmen ist, sollte man diese einhalten. Sonst besteht die Gefahr, dass es zu schärferen Restriktionen kommt bzw. unser derzeitiger Zustand viel länger andauert. Und das will sicher niemand.
Wir versuchen, eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen. In der Ruhe liegt hier wohl tatsächlich die Kraft. Hamsterkäufe nutzen keinem. Und beim Konsumieren sämtlicher Nachrichten sollte man auch hier nicht in Rausch verfallen, sondern mit Sinn und Verstand und vor allem bewusst über Inhalte nachdenken und auch zwischen den Zeilen lesen.
Die Zeit mit der Familie sollte nicht als Belastung, sondern vielmehr als Bereicherung gesehen werden. Genauso wie die Dinge, die einem plötzlich und unverhofft über den Weg laufen: Ich habe zum Beispiel noch nie beim Spaziergang auf dem Südfriedhof so viele Tiere gesehen wie in den letzten Tagen.
Auch wenn die verordneten Maßnahmen zu Stress führen und der gefühlte Verlust von Normalität nervt – Verständnis und Solidarität vor allem denen gegenüber, die aktuell am stärksten von der Krise geplagt sind –, sollten wir nicht den Mut verlieren. Ganz wichtig auch für mich: Kreative Projekte von Künstlern, Dienstleistern und Kulturbetrieben zu unterstützen. Viele sind dringend darauf angewiesen.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Ich persönlich brauche für mich und meine Familie aktuell keine Unterstützung. Vielleicht hat es diesen Lockdown für die Natur und den Menschen einfach mal gebraucht und die Natur holt sich das zurück, was man ihr genommen hat. Ich hoffe, dass wir alle, die Politik und Wirtschaft, etwas Positives aus dieser Krise mitnehmen – gerade in Bezug auf Umwelt- und Naturschutz. Und ich wünsche mir, dass bei vielen künftigen Entscheidungen, die Erfahrungen der gegenwärtigen Krise einfließen und ein stärkeres Bewusstsein schaffen, für das was wirklich wichtig ist …
Und letztendlich sollte uns allen bewusst sein, wie gut es vielen von uns trotz aktueller Einschränkungen und materieller Verluste noch geht und es an vielen Orten der Welt ganz anders aussieht. Corona sollte uns nicht vergessen lassen, dass es auch andere Krisen zu bewältigen gilt.

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Tom Kleinwächter

Tom Kleinwächter – Eventmanager, Leiter Veranstaltungsorganisation & Volunteermanagement für das Internationale Deutsche Turnfest 2021 in Leipzig

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Mir geht es zum Glück gut, d. h. meine Familie und ich sind gesund. Das ist erstmal das Wichtigste. Ansonsten bin ich unheimlich froh, dass ich aktuell arbeiten kann. Alle Projekte, die ich letztes Jahr um diese Zeit bearbeitet habe, sind dieses Jahr abgesagt und ich hätte mich sehr wahrscheinlich arbeitslos melden müssen. Seit April 2019 arbeite ich glücklicherweise in Vollzeit für das Internationale Deutsche Turnfest, welches 2021 in Leipzig stattfinden soll und wir sind derzeit gut mit den Vorbereitungen ausgelastet. Zwar alle im Home Office, aber das geht ganz gut digital. Diese Art zu arbeiten, rettet nicht nur uns, sondern noch vielen anderen gerade echt den A…, denn vor 20 oder 30 Jahren wäre dies technisch gar nicht möglich gewesen.

Ab und an ist das „viele Reden“ über Telefon und Video problematisch, da meine Frau auch zu Hause arbeitet und wir unsere Arbeitsplätze „akustisch nicht separieren“ können. Für sie ist digitales Arbeiten zwar schon lange die Normalität, aber gerade muss sie eine Konferenz, die im Juni in Triest stattfinden sollte, komplett als virtuelles Event umplanen. Auch unsere Tochter (14 Jahre) ist zu Hause, hat sich aber wirklich klasse mit der Situation arrangiert und einen guten Plan für Schule, virtuellem Geigenunterricht und Athletiktraining gemacht. Die Trainer der SG LVB Kanu versorgen die Kids regelmäßig mit Trainingsplänen und fragen auch deren Einhaltung ab.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Bleibt zu Hause, reduziert die sozialen Kontakte auf das notwendige Minimum – so weit wie das in der jeweils konkreten Lebenssituation möglich ist. Natürlich muss man mal raus und sich die Beine vertreten, zum Bäcker, in den Supermarkt oder zur Physiotherapie. Aber je disziplinierter und achtsamer wir uns alle dabei verhalten, desto eher kann man sich über schrittweise und situativ mögliche Lockerungen unterhalten. Wann das soweit ist und wie das konkret aussehen kann, das sollten die Experten sagen (nicht die YouTube Rechercheure mit dem Aluhut …). Nutzt die Chancen, die sich auch in dieser Situation bieten, insbesondere im Bereich Digitalisierung. Da entwickeln sich gerade viel spannende Dinge und Prozesse werden, zwar notgedrungen, um Jahre beschleunigt und vorangetrieben.

Achtsamkeit und Rücksichtnahme sind auch wichtig im familiären Kontext, damit man zusammen gut durch diese Zeit kommt. Bewegung und Sport im möglichen Rahmen, damit man nicht zu sehr einrostet. Mal wieder ein Buch in die Hand nehmen und nicht den ganzen Tag am Handy hängen. Die Sonne am Fenster, dem Balkon oder dem Innenhof genießen. Einfach die Situation annehmen, das Beste daraus machen und sich sozial verhalten.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Ich selber brauch zum Glück aktuell keine Unterstützung. Da bin ich sehr dankbar und versuche so gut das möglich ist, andere zu unterstützen, die diese Situation viel härter trifft – #supportyourlocals. Seien es Spenden oder virtuelle Eintrittsgelder an befreundete Musiker oder Menschen, die ich sehr schätze und die momentan nicht arbeiten können, die Online-Bestellung bei unserer Lieblingsweinhandlung um die Ecke, Essen zum Abholen bei den Restaurants in der Umgebung etc.

Wünschen würde ich mir, das wir alle (auch gesamtgesellschaftlich) die Zeit zum Nachdenken nutzen und zukünftig einiges ändern. Momentan halten ganz viele Berufsgruppen den Laden am Laufen, die besch…. bezahlt werden. Es würde mich freuen, wenn sich die momentane verbale Wertschätzung bei denen auch langfristig im Portemonnaie bemerkbar machen würde. Funktioniert die Spargelernte wirklich nur mit schlecht bezahlten ausländischen Saisonarbeitern? Da haut doch systemisch was nicht hin, wenn ich Spargel nicht zu Preisen verkauft kriege, der es ermöglicht, faire Löhne zu zahlen und auch die „Locals“ bewegt, diesen Job zu machen. Neben dem Nachdenken, sollten wir aber auf keinen Fall den Humor verlieren, denn dieser hilft (mir zumindest) immer auch in schlechten Zeiten.

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Thorsten Schwämmle

Thorsten Schwämmle – Kraftpaule

Ich bin guter Dinge. Um die Schwächsten zu schützen, trete ich gerne einen Schritt zurück. Wirtschaftlich ist die Lage auch noch nicht kritisch. Das Beantragen von Kurzarbeitergeld und Soforthilfe war bisher verständlich und einfach für uns. Das lässt auf schnelle Hilfe für unsere Firma hoffen.

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Anja Bagus

Anja Bagus – Autorin

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie geht es dir?

Für mich läuft eigentlich alles so weiter wie vorher. Ich arbeite ja schon lange von zuhause aus. Mein Kind ist 16 und recht selbstständig. Wir haben Glück und eine Wohnung mit Garten.
Eine Zeitlang hat mich aber das Leben in meiner zweiten Wohnung – facebook – verstört. Ich kann meistens trennen und verstehen, dass facebook ein Werkzeug ist, und benutze es auch so. Aber in Krisen sucht man Nähe und Konsens. Obwohl ich facebook auf meinem persönlichen Profil wie mein Wohnzimmer betrachte, wo meine Hausregeln gelten, und Leute, die sich schlecht benehmen, das zu spüren bekommen, musste ich mehr als sonst entfreunden. Ich bin immer öffentlich, ich nehme auch fast jede Freundschaftsanfrage an, aber dann fliegen die Leute eben auch schnell. Ich diskutiere da manchmal nicht mehr.
Sicher gibt es immer verschiedene Sichtweisen, aber es gibt auch den Spruch, dass jeder, der anderen etwas vorschreiben will, erst mal ne Weile in deren Schuhen gehen sollte. Lösungen und Strategien müssen individuell sein. Bei über 2000 „Freunden“ ist dann immer einer, der „Aber dies …“ oder „vergiss nicht das … “ ruft. Jedes Problem hat aber seine Zeit. Und die vergeht für jeden individuell.
Mir geht es also gut, wenn ich auf meine geistige Gesundheit achte: Probleme und das Nachdenken über Lösungen bekommt Zeit, aber auch Spaß und Ablenkung.

Welche Tipps und Empfehlungen möchtest und kannst du aussprechen, damit wir alle die Situation und unseren Alltag meistern?

Ich hab immer verschiedene Projekte. Wenn das eine nicht geht oder läuft, mach ich halt am anderen weiter. Ich war tatsächlich ein wenig unter Druck, da ich ein längeres Schreibprojekt fertig stellen muss. Normalerweise wäre jetzt die Zeit der vielen Veranstaltungen, auf denen ich präsent wäre. Das sind meist Wochenenden, aber man braucht den Montag zum Räumen und den Freitag zum erneuten Räumen … Anfangs der Krise war ich blockiert. Auweia, Mann und Kind zuhause, die Absagen der Veranstaltungen und die Ängste rundherum. Dann begann ich es als Chance zu sehen: Ich hab keine feste Deadline, darum wurde mir klar: Das Erscheinen der Bücher ist erst nach der Krise sinnvoll. Ich hab mehr Zeit!
Was ich damit sagen will: Wir Menschen neigen oft dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Das ist überlebenstechnisch sinnvoll, aber wir müssen auch rational einen Punkt erreichen, wo wir sagen: Hey, ich hab grad alles und dazu noch Freizeit! Oder: Hey, ich kann dieses Problem gerade nicht lösen! Ich muss aufhören, daran zu knabbern. Was man nicht ändern kann, das muss man hinnehmen. Erst, wenn man sich nicht mehr vor Angst zerfrisst, hat man Platz für Lösungen, Veränderungen.
Mein Tipp: Mach etwas, was du noch nie gemacht hast! Sport, ein albernes Video, einen Online-Video-Chat oder lern etwas mit einer kostenlosen App, irgendwas. Oder plane eine Urlaub, ob du ihn dir leisten kannst oder nicht! Schau dir Orte per google maps an und träum einfach davon! Koche etwas Exotisches! Nutze die Zeit, um etwas Außergewöhnliches zu machen.

Welche Art von Unterstützung brauchst du bzw. was wünschst du dir von deinen Mitmenschen?

Ich brauche Konsens und gute Nachrichten. Ich umgebe mich gerne mit Menschen, die machen statt labern. Ich brauche nur ab und an jemanden, der schlicht zuhört. Ich wünsche mir von meinen Mitmenschen, dass sie tatsächlich kapieren, wie Zuhören und ein offenes Ohr funktioniert. Wenn wir alle Empathie lernen würden, so wie wir Mathe eingepaukt bekommen, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Ich erwähnte schon das „Gehen in fremden Schuhen“. Wir sollten immer darüber nachdenken, wie es unserem Gegenüber geht. Erst klein, Partner, Familie, dann größer: Nachbarn, Freunde. DAS sind die Menschen, die für das echte, reale, tatsächliche Leben wichtig sind. Viele kranken arg an den übergeordneten Ebenen: Politik und Welt. Sie vergessen dabei, auf ihre eigene geistige Gesundheit und eine gute Umgebung zu achten.
Ich wünsche allen, dass sie gut durch diese Krise kommen, Chancen entdecken oder Dinge gehen lassen, die dadurch zuende gehen. Ich wünsche allen, dass sie aufgefangen werden in einem Netzwerk, welches sie sich gebildet haben.